Auch dieser Beitrag hat wenig mit Predigten zu tun, allerdings habe ich in letzter Zeit so manche Diskussion über WikiLeaks geführt. Leider lässt sich das Thema in Statusnachrichten auf Facebook nicht sonderlich gut erörtern. Ich möchte deshalb hier eine kurze Zusammenfassung abliefern, wie ich das Thema sehe.
WikiLeaks (im folgenden WL) unterstützt aus meiner Sicht sehr effektiv das sog. WhistleBlowing. So bezeichnet man Informanten, die unter vollständiger Anonymität vertrauliches Insiderwissen an die Presse weiter geben. In diesem Bezug ist WikiLeaks eine hervorragende Einrichtung, die zur Unterstützung des investigativen Journalismus beitragen kann.
Die Effizienz von WL bleibt dabei fragwürdig. Der bisher größte Informant sitzt mittlerweile in Haft, als wahrscheinliche Erklärung für seine Enttarnung gilt – laut Wikipedia – das die Übermittlung der Informationen technisch nachvollziehbar war. Gerade dies zu verhindern, sollte ja eigentlich der Hauptanspruch von WL sein. Im Vergleich dazu stellte sich “Deep Throat”, als bekanntester WhistleBlower der Geschichte, im Alter von 90 Jahren, nachdem er über 30 Jahre seine Identität geheim halten konnte und das vollkommen ohne WL oder sonstige technische Hilfsmittel. (Wenn ihr weitere Informationen dazu haben wollt, googlet bitte nach Watergate-Affäre, nicht nach Deep Throat … wenigstens nicht auf der Arbeit)
Eine ganz andere Rolle nimmt aber der Hauptprotagonist Julian Assange ein. Zum ersten konnte ich trotz intensiver Recherche nicht feststellen, was seine Leistungen rund um WikiLeaks sind. Dass WL einem möglichst großen Personenkreis bekannt ist, dürfte naturgemäß unerheblich sein. Ein WhistleBlower wird einen Weg finden, auch ohne Schlagzeilen und WL an sich kontaktiert von sich aus Redaktionen, um Informationen zu übermitteln. Die Bezahlung von Informanten ist dabei üblich, was mit den groß angelegten Spendenaktionen finanziert wird, bleibt also vollkommen im Dunkeln. Ich persönlich gelange zunehmend zu der Vermutung, dass Assange WL instrumentalisiert, um sich selbst zu inszenieren.
Teil dieser Inszenierung ist dabei auch seine “Lebensversicherung”. Diese Lebensversicherung enthält laut eigener Aussage die unzensierten Quellen von WL. Diese Quellen wurden bisher nur in zensierter Form an die Presse weitergegeben. Amnesty International hat öffentlich angeprangert, dass selbst die zensierte Form schon beispielsweise die Namen von afghanischen Informanten enthält. Ein öffentlich werden der Namen, hätte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Tod der Informanten und deren Familien zur Folge. Diese Daten stehen also in einer verschlüsselten Datei, die jedem zur Verfügung steht, der einen Internetanschluss hat. Der Schlüssel soll angeblich automatisch veröffentlicht werden, sobald ihm etwas zustößt. Unwillkürlich drängt sich einem der Satz auf: “Wenn ich drauf gehe, nehme ich wenigstens noch ein paar Leute mit.” und das ist ein Satz, den man sich einfach nur im Munde eines Terroristen vorstellen kann.
Nun kommt der Vorwurf einer Straftat hinzu. Die Medien und Assange selbst wettern über einen internationalen Haftbefehl wegen Vergewaltigung. Beides ist übrigens falsch. Der Anklagepunkt heißt “weniger grobe Vergewaltigung” (im deutschen ungefähr mit sexueller Nötigung gleichzusetzen) und der Haftbefehl gilt auch nur national in Schweden. Interpol hat lediglich per Mitteilung alle Polizeien weltweit dazu aufgefordert, sich an der Suche nach Assange zu beteiligen. Geradezu erschütternd ist hier, dass sich scheinbar alle einig sind, dass hier Beweise falsch sind und keiner darauf vertraut, dass ein Gericht in der Lage ist, einen Straftatsbestand aufzuklären. Einfache Lynchjustiz … im umgekehrten Sinne. Man fühlt sich an den glücklosen Moderator Andreas Türck erinnert, der bei ähnlicher Beweislage von der Öffentlichkeit bereits zum Vergewaltiger abgestempelt wurde (bevor sich später herausstellte, dass er unschuldig war). Da fragt man sich doch, ob hier wirklich an der Neutralität der Gerichte oder am Verstand der Öffentlichkeit gezweifelt werden muss.
Weiter gab es großes Geschrei, dass WL die Zahlungsmöglichkeiten durch Unternehmen eingeschränkt wurden. Zum ersten möchte ich mal erst feststellen, dass niemand einen Rechtsanspruch auf die Dienstleistungen eines Unternehmens hat. Es ist also nicht so, dass WL hier Unrecht getan wird, wenn PayPal die Konten aufkündigt. Aber schon aus PR Gründen würde ich mir als Zahlungsunternehmen die Frage stellen, ob ich tatsächlich das Konto einer Organisation betreiben möchte, die so beharrlich an einer Person wie Assange festhält. Weiterhin stellt sich auch wiederum für das Unternehmen die Frage, wofür genau diese Spenden verwendet werden (wie oben geschrieben). Das gab dann auch den Ausschlag: PayPal kündigte das Konto wegen des Verdachtes auf Geldwäsche.
Also abschließend:
Ist WhistleBlowing eine gute Sache? Ja
Ist WL eine gute Sache? Zweifelhaft
Haben Regierungen Beweise gefälscht, um Assange aus dem Verkehr zu ziehen? Möglich
Ist Assange der Ritter in schimmernder Rüstung, dem die Regierungen Unrecht tun? …
Ich bin Leiter der Jesus Freaks Wuppertal und Prediger, dort und als Gastprediger in anderen Gemeinden. Details im Bereich "Über mich".
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